Philo Ikonya

geb. 1959 in einem Dorf unweit von Nairobi, studierte Linguistik und Literaturwissenschaft an der Universität Nairobi, bevor sie nach Spanien und Italien ging, um dort Spanisch, Pädagogik und Philosophie zu studieren.

Danach

kehrte sie in ihre Heimat zurück, arbeitete als freie Journalistin für die wichtigsten Zeitungen ihres Landes. Sie thematisierte die soziale Ungerechtigkeit, die allgegenwärtige Korruption und den Machtmissbrauch der herrschenden Elite. Mehrmals wurde sie deswegen verhaftet und misshandelt. Seit 2009 lebt sie auf Einladung des International Cities of Refuge Network (ICORN) in Oslo im Exil.

© H. A. Niederle

Interviews:
Authors in Africa on the power of literature, part I.
Authors in Africa: “I know men know women are powerful…” on the power of literature, part II.

Buchveröffentlichungen

Veröffentlichungen in Deutsch:
Eine nächtliche Führung (Leading the Night). Roman. Aus dem Englischen übertragen von Helmuth online pharmacy cialis A. Niederle. Löcker Verlag. Wien 2012.

Aus dem Gefängnis – Liebesgesänge / Out of Prison – Lovesongs. Hg. und aus dem Englischen übertragen von Helmuth A. Niederle unter Mitarbeit von Jürgen Strasser. Löcker Verlag. Wien 2010.

Veröffentlichungen in Englisch:

Leading the Night, (2010)
This Bread of Peace: Parts 1-4, (2010)
Kenya, Will You Marry Me?, (2011)
Marjorie Oludhe Macgoye and the Quest for Freedom: A study of coming to Birth, Song of Nyarloka and other Poems, (2011)

Aus dem Werk

Kenia brennt: Die Stimmen der Frauen fehlen beim Aufbau der Nation
Den Frauen von Kenia war stets die Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft bewusst, in all den Jahren. Sie haben für Gerechtigkeit gekämpft: 1922 blickte Mary Nyanjiru ohne Furcht in das Gewehr des Kolonialisten, nachdem sie gesagt hatte, wenn die Männer nicht kämpfen wollten, dann sollten sie ihr die Hose geben, sie zöge diese an und übernähme den Kampf. Sie starb für ihre Rechte, wie Mekatilili Wa Menza vor ihr, die so berechtigt wie beherzt für

ihr Volk gekämpft hatte. Fachleute behaupten, was Kenia im Jahr 2008 erleb- te, hat seine Wurzeln in der Kolonialzeit. Mag sein, doch das Unter- drücken der Stimmen der Frauen stellt keine Ausnahme dar.
Ohne Stimme in der Politik haben die Frauen in Kenia nur wenig Möglichkeit ihr Leben und das ihrer Kinder zu verbessern. Wir, die Frauen von Kenia, wissen, was die Welt und einige Kenianer überrascht hat, und wussten schon immer, dass die gewaltigen Ungleichheiten in unserem Land zur Zerstörung unserer Nation führen werden.
Viele Frauen, obwohl den Charme des Schlagworts durchaus erkennend, waren niemals von der Hakahuna-matata-Mentalität1, die ins tägliche Leben der Menschen wirkt, überzeugt. Was für eine Schmach, dass wir die Stimmen der Frauen ignoriert haben. Es sind die findigsten und seherischsten, die wir uns zur Verfügung stehen. Ich nahm 2005 an der Armutskonferenz in Limuru teil, bei der eine Frau aus einer Pastoralgemeinde dem Vizepräsidenten die Gegenstände eines Kleinhaushalts zeigte, die sie um weniger als einen Dollar zu kaufen imstande war: ein bisschen Salz, ein kleines Stück Seife (um die Kleider ihres Gatten zu waschen), ein wenig Fett und Zucker. Das alles hat sie erstanden, was wir die Kadago-Wirtschaft2 nennen. Selbstverständlich war in dieser Kleinstwirtschaft nichts für sie dabei.

Wenn irgendjemand weiß, was Armut bedeutet – diese Form der Armut heißt für viele Mädchen, dass sie nicht die Schule besuchen, weil sie die Periode haben und sich mit aus Bananenblättern gefertigtem Material helfen – dann sind das die Frauen. Wenn irgendjemand weiß, was es bedeutet, kleine Kinder zu haben, die gebadet werden müssen, aber »rasch-rasch« zum Brunnen zu eilen haben, um Wasser zu holen und Tee für einen Besucher zu kochen, dann sind das wiederum die Frauen. Nur die Frauen wissen, wie man während der Hungersnot ein Baby an der trockenen Brust trinken lässt. Das sind schreckliche Zeiten, wenn manche Teile Kenias völlig austrocknen und selbst die Kamele (Tiere unverwüstlich in Dürre) in der unbarmherzig sengenden Sonne sterben.

Übertragen aus dem Englischen von Helmuth A. Niederle
1 hakuna matata = »keine Probleme«.
2 kadago = »klein« oder »kleinst«.

This entry was posted in Information. Bookmark the permalink.