„mulieris mundi“ – FRAUENTAG

DO 6.III.2014   ab 11:00  Uhr – open end ca 19:00/20:00

PRESSEHAUS CONCORDIA (grosser Saal)
1010 Wien, Bankgasse 8
mit kleinem Buffet & Presse
EINTRITT :   gratis

Beitrag des Österreichischen PEN-Clubs zum „Internationalen Frauentag“
mulieris mundi – Weibliche Diskriminierung hat so viele Facetten und Geschichten …

 

Programmübersicht über die Referate und Lesungen:

 

Block I                  11:00 Uhr bis 13:30

  • Begrüssung (durch den Präsidenten und Generalsekretärin des PEN-Clubs Helmuth A.

    Niederle und Susanne Dobesch)

  • Philo Ikonya (Kenia/Norwegen)
  • Dorothea Macheiner (Österreich)

( P a u s e )

 Block II                  14:00 Uhr bis 16:00

  • Etela Farkašová (Slowakei)
  • Ishraga M. Hamid (Sudan/Österreich)

( P a u s e )

 Block III                  16:30 Uhr bis ca. 19:30/20:00

  • Erna Pfeiffer (Österreich)
  • Luisa Beatriz Futoransky (Argentinien)
  • Diana Raznovich (Argentinien) 

 

und Präsentation von 3 Neuerscheinungen:
“Black Orphea / Schwarze Orphea” – ein weltweites Literatur-Projekt mit Lyrikerinnen als Beitrag der „post racial literature“ und Präsentation der neuesten Bücher von Dorothea Macheiner „DJERBA, LA DOUCE /  ROMMEL. STILLE „  zwei Erzählungen, edition pen, bd. 14 , erschienen im Löcker Verlag Frühjahr 2014, und Etela Farkašová “Ein ganz gewohnlicher Tag und andere Erzählungen” edition pen Band XX

 

 

„mulieris mundi“
Sieben Frauen – drei Kontinente. Zum Internationalen Frauentag präsentiert der Österreichische P.E.N.-Club Texte von Frauen aus verschiedenen Kulturen und Ländern. Der erste Frauentag in Österreich fand im März 1911 statt. Damals ging es darum, das Wahlrecht für Frauen zu erkämpfen. Heute ist das bei uns kein Thema mehr, Chancengleichheit hingegen, die auch schon damals gefordert wurde, sehr wohl.
Es gibt keinen Stillstand“, sagt Helmuth Niederle, Präsident des P.E.N. „Das gilt auch für die Welt der Frau. Darüber wurde viel gesagt, meistens auf Griffiges reduziert. Der Österreichische PEN setzt mit mulieris mundi einen Themenschwerpunkt, der zum Nachdenken auffordert.

mulieris mundi ist das Folge- bzw. Parallelprojekt von „Time to Say: NO!“, das 2013 diesseits und jenseits des Atlantiks ein Zeichen setzte: Gewalt an Frauen ist nicht tolerierbar. Dieses Jahr sprechen Dichterinnen, Schriftstellerinnen und Wissenschaftlerinnen über die Ergebnisse ihrer Arbeit und ziehen unaufgeregt Bilanz: Was wurde erreicht und was ist noch zu verbessern. Ein Blick auf die Herkunfts- bzw. Aufenthaltsländer der Teilnehmerinnen zeigt, dass trotz des gemeinsamen Wunsches nach einem Mehr an Selbstbestimmung die Unterschiede in den einzelnen Lebenserfahrungen enorm groß sind. Gerade im Milieu der MigrantInnen und der postkolonialen Kulturen ortet die renommierte Literaturkritikerin Sigrid Löffler in ihrem letzten Buch die neue Weltliteratur.  In mulieris mundi treffen einander Schriftstellerinnen und Wissenschaftlerinnen aus dieser und der postkommunistischen Welt, aber auch aus dem Westen zu einem spannenden Diskurs über und mit Literatur von Frauen.

 

 

Zu den Vortragenden und Beiträge


Philo Ikonya kommt ebenfalls ursprünglich aus Afrika, und zwar aus Kenia. Sie fand in Norwegen politisches Asyl, Österreich ist jedoch literarisch ihre zweite Heimat geworden. Ikonya sammelt weltweit Stimmen und Texte von Frauen, die Barrieren niederreißen. In ihrem Werk thematisiert sie den Mangel an demokratischen Strukturen ihres Herkunftslandes. Sie präsentiert das Projekt „Black Orphea“ und wird einige Gedichte von allen Teilen der Welt vorlesen, aber auch eigene Texte vortragen. Ihr Einführungsbeitrag – in Englisch gehalten – wird behandeln:  „The indispensable recognition of women as constitution: relevant rage: Women constitute more than half of the world´s population. Any sector without them falsely represents humanity. Where as humanity cannot be defined in simple numbers but as the spirit that carries our finest substance forward in all its forms, the exclusion of any part of humans for any reason is the diminishing of all humanity. Justice requires that all are present.“

 

Dorothea Macheiner ist Theologin und Schriftstellerin aus Österreich. Nach dem Studium der Theologie und Germanistik unternahm sie zahlreiche Reisen in den Mittelmeerraum und hielt sich längere Zeit auf Sardinien, in Tunesien und auf Malta auf. Heute lebt sie als freie Schriftstellerin in Salzburg und Wien. Sie hat Hörspiele, Romane, Essays und Gedichte geschrieben und ist Herausgeberin der Werke von Gerold Foidl. Sie stellt heute ihr Buch „DJERBA, LA DOUCE /  ROMMEL. STILLE „  zwei Erzählungen, edition pen, bd. 14 , erschienen im Löcker Verlag Frühjahr 2014,  mit Texten, die sich auf das aktuelle Frauenthema beziehen, vor. Darin verwebt sie Eindrücke aus Tunesien mit ihrem persönlichen Umfeld in Österreich, dem heutigen und dem der Nachkriegszeit. Als Einleitung spricht sie über das Alleinreisen als Frau in arabischen Ländern und über das Gebären zur Zeit des Nationalsozialismus.

 

Etela Farkašová ist Schriftstellerin und Philosophin, lehrte an der Comenius Universität in Bratislava, Slowakei. Sie interessieren die Befindlichkeiten der Frauen seit dem Umbruch und die Abgründe, in die Menschen fallen können.
In ihrem Beitrag möchte sie auf einige gewählte Merkmale hinweisen, die die gegenwärtige Situation der slowakischen Frauen im öffentlichen und privaten Leben charakterisieren; in diesem Zusammenhang wird sie ihre Aufmerksamkeit auch dem Spannungsverhältnis zwischen der privaten und öffentlichen Sphäre widmen.  Die Schriftstellerin wird dabei einen kurzen Rückblick auf die Zeiten des realen Sozialismus in der ehemaligen Tschechoslowakei und auf die Kehrseite der Konzeption der Emanzipation der Frauen, wie sie sich im realen Leben realisiert hat, richten. In ihren Überlegungen wird sie  auch von den soziologischen Forschungen ausgehen, die in den letzten 10 Jahren durchgeführt wurden und die uns einen Blick auf die Lage der Frau in der heutigen Slowakei anbieten können. Lesung:  verschiedene Gedichte  (veröffentlicht im Themenheft des  OeSV 2012 und 2013) und die Erzählung: „Ein ganz gewöhnlicher Tag“ aus dem neuen Buch  “Ein ganz gewohnlicher Tag und andere Erzählungen” edition pen Band XX. (Ihre Texte werden gelesen von Rosemarie Schulak , Dr. phil., Wien, seit 1997 Mitglied d. P.E.N.-Clubs)

 

Ishraga M. Hamid kommt ursprünglich aus dem Sudan, lebt nun in Österreich. Sie erzählt von diesen zwei so unterschiedlichen Welten. Als Einleitung spricht Sie über folgende Themen: „Das Schreiben ist mein Universum:  Wer bin ich ohne das Schreiben?“  sowie geschichtliche Hintergründe,  Literatur von Frauen im Sudan,  Identitätsveränderung, Literatur und soziale Verantwortung. Sie liest aus „Gesichter der Donau“ edition pen , erscheint demnächst, sowie  „Trotzdem singe ich“ Melina Verlag 2003, Wien und „Das Weibliche der Flöte“ Amreit Verlag, 2009, Kairo und zum Abschluss wird sie noch einen Abschnitt aus der noch unvollendeten Autobiographie „Ich bin Schwarze Wienerin“ vorlesen.

 

Erna Pfeiffer ist außerordentliche Professorin am Institut für Romanistik der Karl-Franzens-Universität Graz und hat seit vielen Jahren vor allem literarische Werke lateinamerikanischer Autorinnen aus dem Spanischen übertragen. Sie wird  vertiefend über Identitätskonstruktionen im Werk jüdisch-argentinischer Autorinnen sprechen. Im Kontext postmoderner „Patchworkexistenzen“, die ihre multiplen Identitäten aus heterogenen Elementen verschiedenster Provenienz zusammenwürfeln (müssen), kommt dem Schreiben argentinischer Autorinnen jüdischer Herkunft besonderes Interesse zu. Im Spannungsfeld von Herkunft und Zukunft, Tradition und Auf-Begehren, Ablehnung und Anlehnung, Erinnern und Erfinden, Fremdzuschreibung und Eigendefinition ist es für Frauen des 21. Jahrhunderts noch immer ein Wagnis und eine Herausforderung – gerade auch gegenüber der eigenen community –, selbst-bewusst, reflexiv, aber auch spielerisch neue, authentische und doch er-fundene Identitäten auf dem Reißbrett des literarischen Textes auszuprobieren, sprachlich durchzuexerzieren, welche Chancen sich für weibliche Lebensentwürfe jenseits von Patriarchat, Orthodoxie und Nationalismus auftun. Speziell in Exil- und Diasporasituationen der Jahrtausendwende entwickeln jüdisch-argentinische Schriftstellerinnen eigene und oft sehr originelle Strategien der Aushandlung von Zugehörigkeit, Abgrenzung, Individualisierung und Identifikation bzw. Loyalität(en). In einem kleinen Parcours durch das Schaffen ganz unterschiedlicher Vertreterinnen dieser escritura judeo-argentina femenina sollen Texte und persönliche Statements von Alicia Dujovne Ortiz, Manuela Fingueret, Luisa Futoransky, Alicia Kozameh, Liliana Lukin, Diana Raznovich, Reina Roffé, Sara Rosenberg, Ana María Shua, Alicia Steimberg und Susana Szwarc durchwandert und auf ihre Identitätskonstruktionen durchforstet werden.

 

Luisa Beatriz Futoransky zählt zu den wichtigsten argentinischen Lyrikerinnen. Sie lebt heute in Frankreich und erzählt über die Fremdheitserfahrungen der Generation ihrer Eltern als osteuropäische Juden in Argentinien. Thema Ihres Vortrages in Englisch gehalten: STARS OF A PERSONAL CONSTELLATION: The International Women’s Day commemorates a century struggle to participate in society on an equal basis with men and to achieve their full development as a person. Also testifies avatars and sometimes spectacular battles taken from ancient Greece, through the French Revolution until the early twentieth century when it began to proclaim, from various international organizations, holding a specific and overall day for women and their rights. An array of female role-models sustained me in my work, also in my life. I pay tribute to them here. 

Diana Raznovich aus Argentinien zeigt uns die Facetten weiblichen Humors. In ihrem Beitrag möchte sie zum einen Betrachtungen über den Humor aus Genderperspektive anstellen und zum anderen ihr Theaterstück „Die Befreiung der Señora Sara“ analysieren (deutsche Übersetzung von Erna Pfeiffer).Ihrem Verständnis nach ist Humor von Frauen – wenn er öffentlich ausgetragen wird – notwendiger Weise subversiv. Bereits seit den Mythen der Tora, als Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben werden, bekommt Eva ein ausschließlich biologisches, schmerzhaftes Schicksal auferlegt: „Unter Schmerzen sollst du gebären.“ Dieses mythische Schicksal schreibt der Frau eine leidende Rolle als Mater Dolorosa zu, eine Ikone, die später durch das Christentum in Gestalt der Jungfrau Maria wieder aufgenommen wird. In dem Theaterstück beansprucht jedoch die Mutter ihr eigenes Begehren, sexuellen Genuss, Selbstbestimmung. Darauf soll das Zentrum unserer Betrachtung fokussiert sein. Auf die unaufgearbeitete Einstellung von Frauen zu ihrem Lachen, ihrem Begehren, ihrer Lust.

 

 

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