Zum Tod von Dr. Egon Schwarz (1922 – 2017)

von H. M. Magdalena Tschurlovits

Ein Stiller, Leiser, ist von uns gegangen.

Lakonisch wird von ihm in den diversen Foren als US-amerikanischer Literaturwissenschaftler österreichischer Provenienz gesprochen. In der Germanistik gilt er als einer der bedeutendsten Vermittler deutschsprachiger Literatur und Kultur in den Vereinigten Staaten.

Egon Schwarz ist in Wien-Erdberg aufgewachsen, war später Mitglied des PEN Clubs Deutschsprachiger Autoren im Ausland, wie wir aus seinem Munde in der Veranstaltungsreihe >IM FOCUS< im Mai 2015 bei seinem Vortrag hörten.

Bei dieser ‚Plauderei‘, wie Egon Schwarz den weiträumigen Überblick über sein Leben und Wirken unter dem Titel ‚Meine Sprache(n)‘ bezeichnete, hatten wir die Ehre und große Freude, einem Weltbürger zuhören zu dürfen, der nach seiner Flucht 1938 über die grüne Grenze in die Tschechoslowakei und danach auf abenteuerlichsten Umwegen über verschiedene lateinamerikanische Staaten, nachzulesen in ‚Unfreiwillige Wanderjahre‘, schließlich nach zehn langen Jahren in den U.S.A., eine neue Heimat finden konnte. Er wirkte als Professor in Harvard und später an der Universität von St. Louis, Missouri. Als Literaturkritiker war er ebenso für die ‚Frankfurter Allgemeine Zeitung‘ tätig, wie als Autor wissenschaftlicher und autobiographischer Werke.

Wie der gerade Sechzehnjährige diese auf ihn zukommenden Jahre bewältigte, sich niemals auch durch widrigste Umstände entmutigen ließ, immer an eine Zukunft glaubte und darauf vertraute, sich einmal dem widmen zu können, das er als seine Lebensaufgabe erkannte, ist ein durch Schlichtheit und dadurch große Eindringlichkeit der Sprache berührender Lebensbericht.

Sein Sprachtalent ermöglichte ihm das Schreiben in verschiedenen Sprachen, die er auch mündlich perfekt beherrschte.

Der außerordentlichen Persönlichkeit dieses Mannes gerecht zu werden, würde den hier gebotenen Rahmen um Vieles sprengen. Seine feine, liebenswürdige Art, die noch immer das Wienerische beherrschende Akzentuierung bei seiner Lebensschilderung, die ohne jedes Pathos erzählte Geschichte seines an schicksalhaften Wendungen reichen Lebens war ein Erlebnis, das nachklingt.

Dieser Vortrag eines 93 jährigen Gelehrten, der uns ohne Manuskript, über eine Stunde frei gesprochen, ohne Wiederholungen, beeindruckend übermittelt wurde, wird mir – und allen, die ihm damals zuhörten – immer in Erinnerung bleiben.

Zitat aus seinem Vortrag >IM FOCUS<:

‚ . . .Natürlich hatte Deutschland keinen guten Namen unter all diesen Emigranten und man musste sich irgendwie entschuldigen dafür, dass man seine Rufs -und Lebenskraft einer Kultur widmete, die nicht gerade sanft mit den Menschen umgegangen war. Aber für mich stand fest, dass man sich nicht durch Adolf Hitler seiner Muttersprache berauben lassen durfte. Hitler nahm uns ja schon genug weg. Wenigstens die Sprache sollte man ihm nicht auch schenken. Und so habe ich eigentlich die deutsche Literatur zu meinem Hauptfach gemacht…‘

Kein Wort des Hasses, eines Lamento, sondern das Annehmen eines Schicksals, das ihn, wie viel andere in dieser unglückseligen, furchtbaren Zeit, ins Ungewisse, Fremde, hineinwarf. Ein Schicksal, das, wie er meinte, für ihn unerwartet günstige Wendungen bereithielt und das er auf beeindruckende Weise meisterte.

Seinen Wiener Wurzeln war Egon Schwarz im Innersten immer verbunden und treu und blieb so ein Wiener Kind im aufrichtigsten Wortsinn.

Wie alle wirklich Großen war Egon Schwarz einer, die das, was sie leisteten, als selbstverständlich ansahen und die durch ihre Herzensbildung und umfassende humanistische Weltanschauung zu denen gehören, die uns deshalb umso mehr fehlen werden.

 

 

 

 

 

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