Nachruf auf Liu Xiaobo

Trotz harter und ungerechter Behandlung war Liu Xiaobos fortwährende Botschaft an die Außenwelt eine, die von Frieden, Hoffnung und Liebe kündete. Seine Gedichte – geschrieben im Gefängnis – sprachen von seiner Liebe zu seiner Frau und seiner Hoffnung auf ein China, das frei von Diskriminierung und Menschenrechtsverletzungen war. Er entwarf Bilder, die der Natur und der Verwandlung verpflichtet waren. Für sein Engagement für ein demokratisches China wurde Liu Xiaobo im Jahr 2009 wegen „Untergrabung der Staatsgewalt“ zu elf Jahren Haft verurteilt.


Im Dezember 2010 konnte er den Friedensnobelpreis nicht persönlich entgegennehmen. Medaille und Urkunde wurden einem leeren Stuhl (dem Symbol des PEN für einen inhaftierte/n Schriftsteller/in) übergeben. So wie ihm nicht gestattet war, in Freiheit zu leben und zu schreiben, wurde es ihm nicht gewährt, rechtzeitig sich in eine Klinik in ein Land seiner Wahl zu begeben, um sich medizinisch behandeln zu lassen. Angebote aus dem Ausland gab es, doch die Behörden erwiesen sich als gnadenlos. Der schärfste Kritiker an den Verhältnissen in China starb in einem von Sicherheitskräften hermetisch abgeriegelten Krankenhaus. Seine Forderung nach einem „freien, demokratischen und verfassungsmäßigen Staat“ ließ die willfährige Büttel des Todes ihres Amtes walten.
Lius Traum wird sich irgendwann einmal zumindest erfüllen: „Ich hoffe, ich werde das letzte Opfer in Chinas langer Liste sein, auf der Worte als Verbrechen angesehen werden.“ Es gibt wenig Grund zur Annahme, dass Liu tatsächlich das letzte Opfer sein wird, doch sicher ist, so wie jedes Regime, das die Freiheit der Menschen unterdrückte, auf dem Müllhafen der Geschichte landete, wird dies auch beim gegenwärtigen Regime der VR China so sein.
Unser aller Mitleid gilt der Witwe Liu Xia, die obwohl sie nie gegen ein Gesetz verstoßen hatte, mit einem jahrelangen Hausarrest bestraft wurde. Wenigstens ihr sollte jetzt das Recht zugestanden werden, China zu verlassen und in ein Land zu gehen, in dem sie ihre schweren Depressionen ausheilen kann.
Hinreichend bewiesen ist: Jede und jeder der Autorinnen und Autoren, die durch staatliche Willkür irgendeines Staates ihr Leben verloren haben, wurden später zu politischen Gespenstern, die den Machthabern zu schaffen machten. Liu Xiaobo wird der Partei, ihren Repräsentanten und der Regierung noch lange Kopfzerbrechen bereiten.

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