FRAUENMANIFEST DES INTERNATIONALEN PEN

 In der Charta des PEN steht an erster Stelle der Grundsatz „Literatur kennt keine Grenzen“. Traditionell denkt man bei Grenzen an die Grenzen zwischen Ländern und Völkern. Für viele Frauen überall auf der Welt jedoch – und bis noch vor gar nicht langer Zeit für nahezu alle Frauen – war die erste und zugleich die letzte, vielleicht stärkste Grenze die Tür des Hauses, in dem sie lebten: des Hauses ihrer eigenen Eltern oder der ihres Ehemanns.

Damit Frauen Redefreiheit haben, das Recht zu lesen und das Recht zu schreiben, müssen sie das Recht haben, sich physisch, sozial und geistig frei zu bewegen. Es gibt nur wenige Gesellschaftssysteme, in denen man einer Frau, die allein unterwegs ist, nicht mit Feindseligkeit begegnet.

Der PEN ist überzeugt, dass Gewalt gegen Frauen in all ihren zahlreichen Formen, gleich, ob in den eigenen vier Wänden oder in der Öffentlichkeit, gefährliche Formen von Zensur zeitigt. Immer wieder werden quer über den Globus die Werte von Kultur, Religion und Tradition über die Menschenrechte gestellt und als Argumente eingesetzt, um Unrecht gegen Frauen und Mädchen zu rechtfertigen oder zu verteidigen.

Der PEN ist überzeugt, dass einen Menschen zum Schweigen zu bringen bedeutet, seine Existenz zu leugnen. Das ist eine Form von Tod. Wenn Frauen ihre Kreativität und ihr Wissen nicht in vollem Umfang und frei zum Ausdruck bringen können, fehlt der Menschheit etwas Wichtiges, das ihr dadurch genommen wird.

DER PEN BEKENNT SICH ZU FOLGENDEN INTERNATIONAL ANERKANNTEN PRINZIPIEN:

1. GEWALTLOSIGKEIT:
Schluss mit Gewalt gegen Frauen und Mädchen in jeglicher Form,

einschließlich juristischer, körperlicher, sexueller, psychischer, verbaler und digitaler Gewalt; Förderung eines Klimas, in dem sich Frauen und Mädchen frei äußern können, und die Garantie, dass jede geschlechtsbezogene Gewalt umfassend aufgeklärt und bestraft und die Opfer entschädigt werden.

2. SICHERHEIT:
Schutz von Schriftstellerinnen und Journalistinnen und Kampf gegen Straflosigkeit bei Gewalttaten an und Belästigung von Schriftstellerinnen und Journalistinnen in der realen Welt und online.

3. BILDUNG:
Beendigung der Ungleichheit zwischen den Geschlechtern auf sämtlichen Bildungsebenen durch vollen Zugang zu einer qualitativ hochwertigen Bildung für alle Frauen und Mädchen sowie die Garantie, dass Frauen von ihrem Recht, lesen und schreiben zu lernen, Gebrauch machen können.

4. GLEICHHEIT:
Garantie der Gleichheit von Frau und Mann vor dem Gesetz; Verurteilung der Diskriminierung von Frauen in jeglicher Form und Einleitung sämtlicher notwendigen Schritte zur Abschaffung der Diskriminierung sowie Gewährleistung vollkommener Gleichheit aller Menschen durch Heranbildung und Förderung von Schriftstellerinnen.

5. ZUGANG:
Gewährleistung des gleichberechtigten Zugangs von Frauen zu sämtlichen bürgerlichen, politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechten, um eine volle und freie Teilhabe an und öffentliche Anerkennung von Frauen in allen Medien sowie im gesamten Spektrum literarischer Formen zu ermöglichen. Darüber hinaus Gewährleistung des gleichberechtigten Zugangs von Frauen und Mädchen zu jeglichen Medien als Mittel zur Meinungsfreiheit.

6. PARITÄT:
Förderung gleichberechtigter wirtschaftlicher Teilhabe von Schriftstellerinnen, um sicherzustellen, dass Schriftstellerinnen und Journalistinnen zu den gleichen Bedingungen wie Männer beschäftigt und bezahlt werden, ohne jedwede Diskriminierung.

BERATUNG:
Jennifer Clement, PEN International, Präsidentin

Margie Orford, PEN Südafrika, Mitglied des Präsidiums, Präsidentin Emerita Kätlin Kaldmaa, PEN International, Internationale Generalsekretärin
Joanne Leedom-Ackerman, PEN International, Vizepräsidentin
Teresa Cadete, PEN Portugal, Präsidentin

Lisa Appignanesi, English PEN, Präsidentin Emerita
Gillian Slovo, English PEN, Präsidentin Emerita
Aline Davidoff, PEN Mexico, Präsidentin Emerita
Nina George, PEN Deutschland, Mitglied des Präsidiums
Salil Tripathi, PEN International, Vorsitzender Writers in Prison Committee
Sarah Lawson, PEN International, Mitglied des Präsidiums des PEN Women Writers Committee

Ellah Allfrey, Caroline Criado Perez, Deanna Rodger, Rebecca Servadio, Kamila Shamsie, Laure Thorel, Gaby Wood
Romana Cacchioli, PEN International
Sarah Clarke, PEN International

Josie O’Reilly, PEN International

Unterstützung
Das Women Writers Committee des PEN International, MIRA, Slowenien sowie die

PEN-Zentren Argentiniens, Estlands, Deutschlands, Finnlands, des Libanon, Portugals, Quebecs, Mexikos, Norwegens, San Miguels, Sierra Leones, Südafrikas, Schwedens, Sydneys, Triests, der Türkei und Simbabwes.

Übersetzung: Christa Schuenke, PEN Deutschland

 THE PEN INTERNATIONAL WOMEN’S MANIFESTO

The first and founding principle of the PEN Charter asserts that ‘literature knows no frontiers’. These frontiers were traditionally thought of as borders between countries and peoples. For many women in the world – and for almost all women until relatively recently – the first, and the last and perhaps the most powerful frontier was the door of the house she lived in: her parents’ or her husband’s home.

For women to have free speech, the right to read, the right to write, they need to have the right to roam physically, socially and intellectually. There are few social systems that do not regard with hostility a woman who walks by herself.

PEN believes that violence against women, in all its many forms, both within the walls of a home or in the public sphere, creates dangerous forms of censorship. Across the globe, culture, religion and tradition are repeatedly valued above human rights and are used as arguments to encourage or defend harm against women and girls.

PEN believes that the act of silencing a person is to deny their existence. It is a kind of death. Humanity is both wanting and bereft without the full and free expression of women’s creativity and knowledge.

PEN ENDORSES THE FOLLOWING INTERNATIONALLY RECOGNISED PRINCIPLES:

  1. NON-VIOLENCE: End violence against women and girls in all of its forms, including legal, physical, sexual, psychological, verbal and digital; promote an environment in which women and girls can express themselves freely, and ensure that all gender-based violence is comprehensively investigated and punished, and compensation provided for victims.
  1. SAFETY: Protect women writers and journalists and combat impunity for violent acts and harassment committed against women writers and journalists in the world and online.
  1. EDUCATION: Eliminate gender disparity at all levels of education by promoting full access to quality education for all women and girls, and ensuring that women can fully exercise their education rights to read and write.
  1. EQUALITY: Ensure that women are accorded equality with men before the law;, condemn discrimination against women in all its forms and take all necessary steps to eliminate discrimination and ensure the full equality of all people through the development and advancement of women writers.
  1. ACCESS: Ensure that women are given the same access to the full range of civil, political, economic, social and cultural rights to enable the full and free participation and public recognition of women in all media and across the spectrum of literary forms. Additionally, ensure equal access for women and girls to all forms of media as a means of freedom of expression.
  1. PARITY: Promote the equal economic participation of women writers, and ensure that women writers and journalists are employed and paid on equal terms to men without any discrimination.

Übersetzungen in weitere Sprachen:
http://www.piwwc.org

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