Zum Welttag der Poesie am 21. März

von Dorothea Nürnberg

Dichterinnen und Dichter sind wachsame Beobachter und Begleiter der Geschichte, warnende Stimmen, die auf Unrecht und Fehlentwicklungen in der Gesellschaft hinweisen – und die vielfältige Schönheit der Welt zum Leben erwecken.“ Irina Bokava, ehemalige Direktorin der UNESCO

Die Bewusstsein erweckende Stimme der Dichterinnen und Dichter, die die Tiefe des Erlebens, Empfindens auslotet, verborgene Seelenwinkel freilegt. Die Welt verwandelt, ihr die Maske abnimmt und sie gleichzeitig in Zauber hüllt.

Die warnende, anklagende Stimme der Dichterinnen und Dichter, die Unrecht, Verfolgung, Menschenrechtsverletzungen aufdeckt. Sich einsetzt für die Freiheit des Wortes. Ausgesetzt politischer Willkür. Bedroht durch Verhaftung, Folter, Mord.

Poesie als Medium der Freiheit, das die Grenzen genormter Sprache, genormten Denkens sprengt. Eine Form der Welterfahrung, Weltbewältigung, Seinsdurchdringung. Ein Anker in den Schächten des Bewusstseins. Ein Ausblick in den – unbegrenzte Möglichkeiten – eröffnenden Kosmos der Erfahrung. Ein Einblick in das feingesponnene Netz des Lebens. Verdichtet. Neu gewebt. Entdichtet. Neu erdacht.

ein klang. ein ton. er rauscht so sacht.
und wandert doch nur durch die nacht.
ein blick von dir. ein hoffnungslicht. es bricht in splitter.
ohne mich.
wir sind am weg. in tiefen tälern. nur ab und an ein sonnenkuss.
der weg ist weit. er wandelt sehen.
nur dornen blühen pfade ohne licht.

es weht ein strahl. er kommt von oben. sucht gleichklang. mitte. sonnenherz.
der blick bleibt dunkel. ohne wagen.
gesetz der erde bricht das herz.

wir wandern weiter. ohne fragen. es gilt zu kämpfen überall.
die berge ragen. hohe gipfel. der aufstieg weit. die luft wird dünn.
in schattentälern wachsen geld und fragen.
gewinn und lust enthemmen pfad.

macht lockt wie salz im wildgehege.
gewalt bricht freiheit ohne maß.

nur schatten fratzen. sie bergen narben. gewalt wächst flügel. leben bricht.

ein sonnenschatten über’m berg. die nacht kommt leise. deckt das blut.
wir wandern weiter. wandeln narben. es wächst verständnis. zartgefühl.
ein weg der schatten. erdenleben. so viele dunkle felder. wenig halt.

und doch.
der zarte klang. das leise sonnenrauschen.
es wendet welten. wandelt sein.
ein blick nach oben dringt nach innen. pocht an die tore sonnengleich.
das herz sucht gipfel. wandert liebe.
der hort der schatten hält zurück.

und doch.
es springt ein funke.
du hörst die quelle.

ein sonnenflügel streift den blick.

aus: Dorothea Nürnberg, sonnenwind, Lyrik, Ibera Verlag, März 2018

Buchpräsentation heute: 21. März 2018 um 19h / Europasaal des Österreichischen Lateinamerika-Instituts Schlickgasse 1, 1090 Wien. Einleitende Worte: Frau Botschafterin Dr. Teresa Indjein, Leiterin der Kulturpolitischen Sektion im BMEIA.

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