Trauer um Erich Sedlak

Erich_SedlakDie Betroffenheit sitzt tief. Der Präsident des Niederösterreichischen PEN-Clubs, Erich Sedlak, ist am Donnertag vor Pfingsten überraschend verstorben. Erich Sedlak wurde 1947 in Wien geboren und verbrachte seine Schulzeit bei den Schulbrüdern in Strebersdorf.

Danach übernahm er trotz seiner künstlerischen Ambitionen den Papiergroßhandel seiner Eltern in Wiener Neustadt. Seit 1995 war er als freier Schriftsteller tätig. Im Jahr 1972 hatte er erstmals Kontakt zu der Wiener Neustädter Autorengruppe um Jeannie Ebner, Albert Janetschek, Peter Schuster und Peter Zumpf und wurde zum Mitbegründer des „Wiener Neustädter Kreises“. Seit 1994 war er Generalsekretär und seit 2004 Präsident des Landeszentrums Niederösterreich des Österreichischen PEN-Clubs.

Erich Sedlak schrieb Romane, Krimis, Gedichte, Bühnenstücke, Drehbücher, Hörspiele und Funkerzählungen, Märchen, Kabaretttexte, Erzählungen und Essays. Er selbst hat sich aber wohl vorwiegend als Satiriker gesehen. Seine Satiren bestechen nicht nur durch den brillanten Wortwitz, einen rasant vorangetriebenen Sprachduktus, sondern auch vor allem durch das Menschliche, oder besser gesagt allzu Menschliche im Leben. Oder wie der Einführungstext zu einer seiner zahlreichen ORF-Sendungen meint: Die Texte sind Schnappschüsse, Blitzlichtaufnahmen, etwas überbelichtet, damit die Hautunreinheiten und Schminkflecken besonders deutlich hervortreten. Aber nicht gehässig, nicht einmal boshaft oder schadenfroh. Immer ist ein bisschen schwermütige Melancholie dabei, ein Bedauern, dass die Menschen so und nicht anders sind.

Der Autor erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnung, darunter den Österreichischen Dramatikerpreis, den Romanpreis des Bundesministeriums für Unterricht, den Literaturpreis des Landes Niederösterreich, eine Goldene CD für Liedertexte, den Kulturpreis und die Goldene Stadtwappennadel der Stadt Wiener Neustadt und zuletzt das Goldene Ehrenzeichen des Landes Niederösterreich.

Er war auch im Kulturbeirat der Stadt Wiener Neustadt. Im Rahmen des NÖ PEN-Clubs ist die Herausgabe zweier Anthologien („Literaturlandschaft“, „Süchtig“) und ganz besonders die Herausgabe der DVD-Reihe „Autorenporträt“ über 70 zeitgenössische Autoren hervorzuheben, die mittlerweile aus allen Bibliotheken abrufbar sind. Multas gratias!

Im Nachwort zu dem Satirenband „Notlandung im Schlaraffenland“ sinniert Erich Sedlak über den Kriegsruf der Sioux-Indianer in der Schlacht am Little Bighorn River im Jahr 1876: Hoka Hay! – Das heißt: Heute ist ein guter Tag zum Sterben. Und er resümiert, dass er dies einmal selbst sagen können möchte. Aber wann ist denn ein guter Tag zum Sterben?

Kurt F. Svatek

Liebe, verehrte Mitglieder des NÖ PEN und des Österreichischen PEN,

ich habe einen Freund verloren und einen Kollegen. Unerwartet und plötzlich ist ein Mann von Ambition und Leidenschaft von uns gegangen. Ich glaube für alle Niederösterreichischen PEN Autorinnen und Autoren sagen zu können, dass Optimismus und Stärke seine Grundhaltung war und es sein fundierter Realismus war, der unsere Landesorganisation über eine lange Zeit hinweg mit allen Widrigkeiten bewältigen ließ. Leidenschaftlich setzte er sich für „seine“ Autorinnen und Autoren ein, unterstützte Lesungen und trieb immer wieder für unsere Projekte die notwenigen Mittel auf. Seine Lust an der Satire, am messerscharfen Denken und Sezieren, an Tätigkeit und Dichtung – all dies machte ihn zu einem unvergesslichen Präsidenten des NÖ PEN Zentrums. Im kynischen Sinn war er an uns ein basileus euergetes, ein Wohltäter.

Bildhaft, farbig und kraftvoll wird er uns in Erinnerung bleiben, er beherrschte die Kunst von Scherz und Ernst, die Kunst auf lustige Weise die Wahrheit zu sagen. In Anerkennung seiner Tätigkeit müssen wir uns von ihm verabschieden, denn er war, wie er schien, und machte durch sein Tun Eindruck.

Susanne Dobesch-Giese

 

Die Verabschiedung von Erich Sedlak findet am Mittwoch, den 30. Mai 2018, um 11 Uhr in der Aufbahrungshalle des Städtischen Friedhofes Wiener Neustadt statt. Es wird gebeten bei der Verabschiedung nicht zu kondolieren.

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