Gegen ein “Schreibverbot bei sensiblen Themen” in Ungarn

Brief des Österreichischen PEN-Club und des Landeszentrum PEN Burgenland

Sehr geehrter Herr Dr. Karas,

mit Entsetzen lese ich, dass der Staat Ungarn ein “Schreibverbot bei sensiblen Themen” verhängt, die entsprechenden Medienberichte sind Ihnen sicher bekannt. Laut ORF werde “im Fall der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg (…) Journalisten laut einer E-Mail mitgeteilt, dass sie eine Genehmigung benötigen, bevor sie überhaupt mit dem Schreiben beginnen”, was nur eines von vielen anscheinend “heiklen” Themen ist.

Ich schreibe Ihnen auch im Namen der fünfundzwanzig Mitglieder des burgenländischen PEN-Clubs. Wir sind eine Untergruppe des österreichischen und damit des internationalen PEN-Clubs, einer Organisation von Schriftstellerinnen und Schriftstellern, die nach dem 1. Weltkrieg gegründet wurde mit dem Ziel der Völkerverständigung und der Verteidigung des freien Wortes. Wir können nicht glauben, dass mitten in Europa die Räder wieder in eine Zeit zurückgedreht werden, die wir wahrlich nicht wieder erleben wollen. Besonders hart trifft uns, dass diese Regeln in Kraft treten in einem Land, das einen Steinwurf von unseren Wohnorten liegt, ein Land, in dem wir Verwandte, FreundInnen und (schreibende) KollegInnen haben, mit denen wir bereits PEN-Projekte durchgeführt haben und um deren Freiheit, sich zu äußern, wir uns sehr sorgen.

Was gedenkt die EU und was gedenken namentlich die Bündnisparteien der EVP zu unternehmen? Wir dürfen wohl annehmen, dass Österreich den ungarischen Weg in dieser Sache ablehnt, und möchten Sie dringend bitten, dieser Linie auch im EU-Parlament deutlich Ausdruck zu verleihen.

Mit besten Grüßen
Katharina Tiwald