Aus gegebenem Anlass

In all den finsteren Jahren des „real existierenden“ Sozialismus hat der Österreichische PEN-Club Kolleginnen und Kollegen in den Nachbarstaaten unterstützt. Stets war die Hoffnung daran geknüpft, dass die Idee der Gedankenfreiheit den totalitären Systemen ein Ende bereiten wird. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks meinten wir, von nun an bräuchte es ausschließlich der Wachsamkeit, um einen Rückfall zu verhindern. Seit Jahren beobachtet der Österreichische PEN wie Ungarn mehr und mehr in den Sog der illiberalen Demokratie versinkt. Überaus besorgniserregend ist daher die Tatsache, dass die ungarische Lyrikerin Krisztina Tóth wegen ihres literarischen Blogs massiven rassistischen und sexistischen Angriffen und Beleidigungen von regierungsnahen Medien, Fidesz-Getreuen und Rechtsextremen ausgesetzt ist. Nach dem Angriff auf Institutionen aus Kunst, Kultur und Wissenschaft werden die Attacken und Kampagnen der ungarischen Regierung und regierungsnahen Medien zunehmend personalisiert und können alle treffen, die sich frei äußern, liberal und kritisch denken oder internationale Kontakte haben.

Es steht zu befürchten, dass bei weiterer Einengung und Behinderung der Gedanken, die sich in aller Offenheit entfalten wollen, innerhalb der EU wiederum eine Dissidentenszene entsteht.

Der Österreichische PEN fordert gemeinsam mit den Institutionen, die sich der Meinungsfreiheit verpflichtet haben, alle österreichischen und europäischen politischen Instanzen auf, Krisztina Tóth in ihrem Recht auf ein Leben in Gesundheit und Freiheit ohne persönliche Diffamierungen und Bedrohungen zu verteidigen.

Helmuth A. Niederle, Präsident Österreichischer PEN-Club

Marion Wisinger, Beauftragte für das Writers in Prison Komitee