PEN-Mitglied Robert Streibel von VHS Krems ausgeladen!

Seit mehr als 15 Jahren hält der Historiker Prof. Dr. Robert Streibel regelmäßig Vorträge in der VHS Krems. Für das Frühjahr waren zwei Führungen auf dem jüdischen Friedhof und ein zeitgeschichtlicher Rundgang durch die Stadt angesetzt, nachdem die letzten Angebote immer ausgebucht und überbucht waren. Da Streibel als Mitglieder des Historikerbeirates der Stadt Krems die Debatte um Maria Grengg, durch die Empfehlung der Umbenennung durch die Kommission, vorausgesehen hat, hatte er der VHS Krems auch für den 20. April 2021 einen Vortrag über die Steiner Dichterin angeboten. Im Dezember 2020 wurden die Termine von der VHS Krems auch bestätigt. Auf Nachfrage im Jänner 2021 heißt es plötzlich, dass der Vortrag über Grengg vom Vorstand der VHS „nicht gebilligt“ worden sei. Natürlich hat der Vorstand das Recht das Programm zu bestimmen, meint Streibel. „Ich habe zuerst an ein Missverständnis geglaubt und in einem Mail darauf hingewiesen, dass eine derartige Nichtbilligung ohne Angabe von Gründen einen beispiellosen Fall in der Geschichte der Volkshochschule darstellt und ich so gezwungen wäre, dies auch in der Öffentlichkeit zu thematisieren. Die Antwort von Oskar Schild kam prompt am 15. Jänner per Email und war unmissverständlich. Der Vorstand der VHS habe einen Rechtsanwalt beauftragt zu prüfen, ob durch diese Drohung mit der Öffentlichkeit nicht der Tatbestand der Nötigung erfüllt sei. Weiters heißt es: „Abschließend ersuchen wir sie von weiteren Angeboten an uns – egal zu welchen Themen – in Zukunft Abstand zu nehmen.“ Das heißt nichts anderes als ein Auftrittsverbot für den Historiker in der VHS Krems.

Dass hier nicht das Gespräch gesucht wird, sondern ohne Angabe von Gründen ein Vortrag, obwohl er schon zugesagt war, einfach abgesagt wird, ist für den Historiker Streibel verwunderlich. „Wenn ich nobel bin fällt mir dazu „schlechter Stil“ ein. „So geht man mit Vortragenden nicht um.“

Für Streibel ist es natürlich jetzt eine interessante Situation, ob es den Vortrag am 20. April über Maria Grengg in Krems geben wird. „Wer ergreift jetzt die Initiative? Ohne Übertreibung kann ich sagen, dass es die erste umfassende und kritische Auseinandersetzung mit der Person von Maria Grengg und ihrem Werk in Krems sein wird. Seit Monaten beschäftige ich mich mit Grengg und habe auch ihren Nachlass im Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek eingesehen. Ich habe es mir wirklich nicht leicht gemacht. Die Tatsache, dass sie NSDAP-Mitglied war und die Zitate, die immer wieder gebracht werden haben mir einfach nicht für ein Urteil genügt. Vorab möchte ich nicht zu viel verraten. Ich hoffe am 20. April 2021 – sofern Corona dies erlaubt – meine Forschungsergebnisse in Krems präsentieren zu können. Es würde mich wirklich wundern, wenn es keinen Vortrag gäbe, denn immerhin ist Maria Grengg auch eine jener Frauen, die in der neuen Ausstellung im Museum der Stadt Krems ab April 2021 vorgestellt wird.“, so Prof. Streibel.

Wer sich über die Wahl des Datums für den Grengg Vortrag wundert. Die Wahl des 20. April ist kein Zufall, so Streibel. Maria Grengg ist 1888 geboren, ihr Verlag hatte 1938 ihr Geburtsjahr auf 1889 geändert, um so auch einen Bezug zum Führer Adolf Hitler herzustellen.

Diese Auseinandersetzung wegen eines Vortrags zu Maria Grengg passt lückenlos zu der Diskussion rund um zahlreichen Autorinnen und Autoren, die NS-affin bzw. sich in hagiographischen Schriften am „Führerkult“ beteiligt haben.

„Als Adolf Hitler kam und uns nur mit seinem großen Herzen nahm, wußte ich beglückt, daß jetzt alles gut sei und daß dieser seit je geliebte, größte Sohn meiner Heimat sie mir jetzt wiederschenkt!“ (Maria Grengg 1938)

Es wird noch zahlreicher Ausseinandersetzung bedürfen, um jene mentalhygienischen Zustände zu schaffen, die klare Distanzierung nicht nur anempfehlt, sondern in der Praxis leben.