Aus gegebenem Anlass

Heiß ist er der Sommer. Wahrscheinlich viel zu heiß! Abkühlung wird gesucht. Man plätschert im Meer oder wandert durchs Gebirge, manche nehmen sich ein Bahnticket und machen eine schöne Reise, um sich zu erholen. Ist die Sommerpause wirklich angebracht? Die Taliban haben Afghanistan wieder in Besitz genommen. Die ersten Berichte über Tötungen, Vergewaltigungen und Zwangsverheiratungen von Frauen und Mädchen sind über die sozialen Netzwerke und ausländische TV-Stationen bekannt geworden. Bedroht sind all jene Frauen und Männer, die während der letzten zwanzig Jahre an die Entstehung eines demokratischen Staats in Afghanistan geglaubt und daher auch mitgewirkt haben.
Während die deutsche Bundeskanzlerin Angelika Merkel die Verhältnisse in Afghanistan als „bitter, dramatisch und furchtbar“ beschreibt, hält der österreichische Innenminister Karl Nehammer unbeirrbar an Abschiebungen fest und sollte dies gar nicht mit der Europäischen Menschenrechtskonvention einhergehen, will er Lager in den Nachbarstaaten errichten. Das nennt sich Hilfe vor Ort.
Noch beredter ist das Schweigen vieler österreichischer PolitikerInnen. Sind sie womöglich auf Urlaub? Wäre nicht der Moment gekommen, eine überparteiliche Plattform zu bilden und – auch gegen die Parteiräson – zu fordern, Afghan*innen unverzüglich in Österreich aufzunehmen? Die Namen der Schriftstellerinnen, Malerinnen, Bildhauerinnen, Musikerinnen, Frauenrechtlerinnen und Wissenschaftlerinnen sind bekannt. Es ist keine Zeit zu verlieren, auch nicht in der Urlaubssaison.
Marion Wisinger, Beauftragte für Writers in Prison
Helmuth A. Niederle, Präsident Österreichischer PEN Club