Der Österreichische PEN Club stellt sich entschieden gegen Triggerwarnungen in Büchern

Ein neuer Ungeist greift um sich: Bücher mit Triggerwarnungen. Nicht beschränkt auf Altbestände, sondern ausgedehnt auf jedes Buch, das in einem Verlag erscheint. Mit Triggerwarnungen wird vor möglichen seelischen gesundheitlichen Schäden beim Lesen eines Buches gewarnt, somit beim überwiegenden Teil der Bücher oder vielleicht bei überhaupt allen Büchern, die erscheinen. Denn ausgeschlossen kann bei keinem Buch werden, dass etwas ausgelöst wird, vielmehr ist es der Zweck von Büchern, etwas auszulösen, vorzugsweise positive Effekte, ihnen zugeschriebene auftretende Nebenwirkungen können aber selbstverständlich nicht ausgeschlossen werden.
Es bleibt auch mehr als rätselhaft, was mit einer Triggerwarnung auf einem Buch überhaupt bezweckt werden soll. Will ein Verlag damit von vorherein jede Haftung von sich weisen, falls es zu Haftungsansprüchen (wegen gesundheitlicher Folgeschäden) kommt? Wovor kann überhaupt gewarnt werden? Davor, dass in Büchern Inhalte angesprochen werden, die genauso überall sonst zu lesen oder zu sehen sind? Oder geht es überhaupt nur um eine zielgruppengerichtete Werbemaßnahme à la „Verlag mit komplett korrekt ausgerichteter Literatur”?
In Österreich hat sich nun gleich ein ganzer Verlag zum korrekten Umgang mit seiner Leser/innen/schaft bekannt, sprich, zur Punzierung und Etikettierung seiner Bücher als „korrekt” oder „gefährlich”. Das stellt eine Zumutung und Entmündigung zugleich dar: Leser/innen als hilflose Hascherln, die gefährliche Büchern ausgeliefert werden und nur noch korrekte Bücher lesen wollen und Autor/inn/en, die ihre Bücher einer Gefahrenwarnung unterziehen lassen und Schreibmoden unterwerfen lassen sollen. Soll das der Buchmarkt der Zukunft sein?
Die IG Autorinnen Autoren und die mitunterzeichnenden Autor/inn/en bestehen darauf, dass Schreibungen ein Fixbestandteil des Urheberpersönlichkeitsrechtes sind und nur mit Einverständnis der Autor/inn/en geändert werden dürfen. Sie sprechen sich zugleich entschieden gegen jede Punzierung und Etikettierung von Büchern als „gesundheitsgefährdend” aus. Sie wenden sich gegen jeden Versuch, das verfassungsrechtlich garantierte Gut der Freiheit der Kunst einzuschränken. Autor/innen und Leser/innen sind selbst imstande zu entscheiden, wie sie mit dem geschriebenen Wort umgehen. Verlage haben die Freiheit, Bücher nicht zu machen, Leser/innen die Freiheit, Bücher nicht zu lesen, das ist Schutz vor Gefährdungen genug. Alles andere ist lediglich sich zur Hintertür hereinschleichende Zensur.
Gerhard Ruiss, Sylvia Treudl, Hahnrei Wolf Käfer, Christl Greller, Renate Welsh, Helmuth Schönauer, Ludwig Laher, Gerhard Altmann, Petra Ganglbauer, Nils Jensen, Werner Richter, Gabriele Russwurm-Biró, Helmuth A. Niederle, u.a.
IG Autorinnen Autoren, Kärntner SchriftstellerInnenverband, Österreichischer PEN Club, Berufsverband Österreichischer SchreibpädagogInnen (BÖS)