Nicht zum Schweigen verurteilt

Dieser Tage ist Aung San Suu Kyi zu einer vierjährigen Haftstrafe, vermindert zu zwei Jahren Hausarrest, verurteilt worden. Die von der Junta kontrollierte Justiz Myanmars wirft der Friedensnobelpreisträgerin vor, zu Gewalt gegen das Militär aufgerufen und gegen Corona-Auflagen verstoßen zu haben. Weitere Prozesse gegen die 76-jährige ehemalige Regierungschefin sind in Vorbereitung. Die einstige Kämpferin für die Freiheit, Ikone der Demokratiebewegung in Myanmar, war in den letzten Jahren aufgrund ihrer Haltung zu dem Genozid an den Rohingya massiv kritisiert worden. Der Militärputsch im Februar 2021 hat ihre politische Laufbahn vorläufig beendet, seitdem versinkt das Land in Gewalt. Die Hoffnungsträgerin des Landes ist verstummt.

Doch die Stimmen Myanmars sind hörbar. Nun liegt eine Anthologie burmesischer Gedichte in der edition pen vor, die unmittelbar nach dem Militärputsch 2021 verfasst wurden. Sie berichten über die unvorstellbare Brutalität der Militärjunta und das tägliche Morden. Die poetischen Reportagen sind eine berührende Zeitzeugenschaft, die Gedichte schildern die omnipräsente Angst, die Ausweglosigkeit in einem Gewaltsystem und die Hoffnung auf Veränderung. Einige der Lyriker:innen sind nicht mehr am Leben, andere sind verschwunden oder inhaftiert. Das Blut bricht an jeder Ecke aus, schrieb K Za Win, der im März bei Straßenprotesten getötet wurde.

Brian Haman, Ko Ko Thett (Hg.): Die Armee schießt nicht in die Luft. Übersetzt von Helmuth A. Niederle, edition pen, Löcker Verlag, Wien 2021

Writers-in-Prison-Day 15.11.2021, Alte Schmiede

Buchpräsentation, Gespräch und Lesung

Helmuth A. Niederle im Gespräch mit Brian Haman (Literaturwissenschaftler und Anglist), Thett Su San (Lyrikerin) und Ko Ko Thett (Lyriker, Übersetzer und Herausgeber)

Lesung: Helmuth A. Niederle, Henriette Schroeder, Marion Wisinger und Günther Zäuner