Zum 100. Geburtstag von Günther Nenning

Er war Journalist und bunter Vogel, Schriftsteller und Auhirsch, religiöser Sozialist, glaubte zeitweise an die Existenz von Engeln und hielt „Maria für den Gipfel des Feminismus“. Empörung, Widerstand und Diskussion waren das Lebenselixier des „Wurschtels“ (Bruno Kreisky). So manch verfahrene Auseinandersetzung brachte er durch seine Wortmeldungen auf den „gemeinsamen Nenning“. Günther Nenning hätte am 23. Dezember 2021 seinen 100. Geburtstag gefeiert. Er änderte sich nie, indem er sich pausenlos änderte, war Sozialdemokrat und bot als Herausgeber des Neuen Forum jenen Stimmen Raum, die sich um eine antifaschistische Geschichtsaufarbeitung bemühten und die am Dialog Christentum-Marxismus interessiert waren. Nenning nahm auch Teil an der beginnenden sexuellen Revolution und dem Anti-Vietnam- und Anti-Kriegs-Aktivismus.

Nenning war ein ungezügelter Vulkan, der durch Ideen auffiel, die den Punkt trafen, an dem der Schmerz verursacht durch die gesellschaftliche Enge entsteht. So manches, was er sagte, forderte den Widerspruch geradezu heraus. Das zu thematisieren, wäre eines Symposions würdig, das zu einer Gewissenserforschung über die Befindlichkeit unserer Alpenrepublik führen könnte. Den Grünen wäre es gut angestanden, ein solches zeitgerecht und medienwirksam zu organisieren, ist Nenning doch einer ihrer geistigen Gründungsväter (Hainburg!).

In der edition pen erschien das Buch „Günther Nenning. Journalist, Schriftsteller, politischer Querdenker und religiöser Sozialist“ herausgegeben von Helmut Reinalter.  Die Beitragenden, Gerhard Oberschlick und Roland Girtler, würdigten Nenning kritisch. Sicherlich in seinem Geist, der die Gegenrede liebte, indem er sie stets herausforderte.

Helmuth A. Niederle, 23. XII. 2021

 Günther Nenning: Journalist, Schriftsteller, politischer Querdenker und religiöser Sozialist. Hg. Helmut Reinalter. edition pen im Löcker Verlag. ISBN 978-3-85409-980-2  Zu beziehen über den Buchhandel, den Löcker Verlag oder den Österreichischen PEN-Club: info@penclub.at