Lesung: Solidarität mit Salman Rushdie

Kundgebung 6.9.2022, ab 12 Uhr  am Wiener Heldenplatz Autorinnen und Autoren lesen aus dem Roman “Die satanischen Verse”. Eine gemeinsame Veranstaltung von Grazer Autorinnen Autorenversammlung, IG Autorinnen Autoren und P.E.N. Österreich

“Wir, die unterzeichnenden Gruppierungen und Institutionen, verteidigen die Stimme der Literatur und die Freiheit der Kunst. Wer Salman Rushdie angreift, greift uns und unser aller Freiheit an. Das Attentat auf ihn ist ein Angriff auf die Allgemeinen Menschenrechte. Fatwa und Anschlag sind nicht das Werk von Einzeltätern.”

Mit Renate Aichinger, Susanne Ayoub, Dan*ela Beuren, Armin Baumgartner, Clemens Berger, Lucas Cejpek, Monika Gentner, Matthias Goldmann, Marlene Gölz, Klaus Haberl, Lydia Haider, Eva Jancak, jopa jotakin, Günther Kaip, Vea Kaiser, Udo Kawasser, Ilse Kilic, Rhea Krčmářová, Margret Kreidl, Manfred Loydolt, Helene Maimann, Herbert Maurer, Diana Leah Mosser, Christa Nebenführ, Carina Nekolny, Helmuth A. Niederle, Gerald Nigl, Anna Nöst, Dine Petrik, Jörg Piringer, Doron Rabinovici, Werner Richter, Gerhard Ruiss, Marlen Schachinger, Eva Schörkhuber, Birgit Schwaner, Dieter Sperl, Angelika Stallhofer, Luis Stabuer, Marion Steinfellner, Monika Vasik, Anna Weidenholzer, Renate Welsh, Marion Wisinger, Waltraud Zechmeister

Solidaritätserklärungen darüber hinaus: Grazer Autorinnen Autorenversammlung,  IG Autorinnen Autoren, P.E.N. Österreich, Alte Schmiede Wien, Literaturhaus Wien, Rudolf und Christine Scholten, IG Übersetzerinnen Übersetzer, Republikanischer Club – Neues Österreich, bahoe books, IG Autorinnen Autoren Tirol, Literaturmuseum Wien, IG Kultur Wien

Einladung

LITERATUR UNTER DEN BÖGEN
01. 09. 2022, 19:00 Uhr
wienstation, Lerchenfeldergürtelbögen 28, 1160 Wien
Den Boden des Herzens pflügen
Ein Abend für die iranische Lyrikerin Mahvash Sābet
In den letzten Wochen kam es zu massiven Repressionen gegen die religiöse Minderheit der Bahá’i im Iran. Zahlreiche Personen wurden verhaftet, unter ihnen die Lyrikerin Mahvash Sābet, sie ist honorary member des PEN und kam erst 2017 nach zehnjähriger Haft frei. Wir setzen ein Zeichen des Protests.
Im Gespräch mit Ralf Schönfeldinger, Siroos Mirzaei und Helmuth A. Niederle
Sabine Muhar liest Mahvash Sābet: Keine Grenzen. Gedichte aus dem Gefängnis
Im Gespräch mit Isma Forghani
Isma Forghani: „Der Siegelring“. Eine Szene
Mit Elsa Schwaiger und Nena Aigner. Regie: Nicole Fendesack
Musik: Alexandra Mahally, Almuth Wenninger und Gundi Soyka
Moderation: Marion Wisinger
Eine Veranstaltungsreihe des Österreichischen PEN-Club und Writers-in-Prison-Komitee in Kooperation mit der Bahá’í Religionsgemeinschaft Österreich und dem Wiener Forum für Demokratie und Menschenrechte

Aus gegebenem Anlass

Der Österreichische PEN-Club ist über das Attentat auf Salman Rushdie zutiefst bestürzt. Seit dem 14. Februar 1989 ist das Leben von Salman Rushdie bedroht. Damals rief der iranische Revolutionsführer Khomeini in einer Fatwa alle Muslime der Welt auf, den Autor wegen seines als blasphemisch erachteten Romans „Die satanischen Verse“ zu töten. Auf mehrere Übersetzer und Verleger wurden Attentate verübt.

Um der Fatwa die Flügel zu verleihen, dass sich Attentäter bereitfinden, die Tötung im Namen ihres Gottes zu vollziehen, wurde von verschiedenen Organisationen ein Kopfgeld auf Rushdie ausgesetzt. Dass sich die Regierung des Iran unter Präsident Khatami von der Fatwa im Jahr 1998 distanziert hatte, sei nur am Rande erwähnt. Für die Attentäter ist das völlig bedeutungslos. 2016 erhöhten vierzig staatliche iranische Medien das Kopfgeld um 600.000 Dollar auf insgesamt 4 Millionen Dollar. Noch ist nicht bekannt, wer der Attentäter ist, der Salman Rushdie am 12. August 2022 im Bundesstaat New York niederstach. In jedem Fall war es die jahrzehntelange Hetze, die Rushdie zeitlebens zum potentiellen Ziel von Fanatikern, Mördern oder Verblendeten machte. Was Rushdie tatsächlich schrieb, spielt keine Rolle, er ist zur Symbolfigur der Gedankenfreiheit geworden, das gefährdete sein Leben.

Der PEN-Club protestierte damals lautstark gegen die Fatwa, bis heute ist die Wahrung der Meinungsfreiheit unverhandelbar. Mit Mächten, die den Absolutheitsanspruch ihrer Religion über Menschenleben stellen, ist nicht zu verhandeln. In diesen schweren Stunden sind unsere Gedanken bei Salman Rushdie.

Helmuth A. Niederle

Mahvash Sabet wurde erneut verhaftet

„Und das ist der Platz, an dem ich manchmal stehe,
zum Himmel aufschaue
durch einen schmalen Spalt
zwischen zwei Platten aus rostigem Stahl,
die mich vom bedeckten Himmel trennen.“

 

Mahvash Sabet, honorary member des Österreichischen PEN, ist erneut verhaftet worden. Die Lyrikerin Sabet zählt zu den führenden Vertreter:innen der im Iran verfolgten Bahá’í -Gemeinde, erst 2017 kam sie nach zehnjähriger Haft frei. In den letzten Wochen hatten die iranischen Behörden die Repressionen gegen die religiöse Minderheit weiter verstärkt. Wohnviertel und Dörfer wurden mit Metallzäunen abgeriegelt, es kam zu Landbeschlagnahmungen, Häuser wurden mit Baggern zerstört. Zahlreiche Personen sind verhaftet worden, das Regime bezeichnet sie als „ausländische Agenten“, denen die „Verbreitung der Lehren des Kolonalismus“ und die Gefährdung der nationalen Sicherheit vorgeworfen wird.

Das Writers-in-Prison-Komitee des Österreichische PEN-Club setzt sich in Kooperation mit anderen PEN-Zentren für die unverzügliche Freilassung von Mahvash Sabet ein. Ihre in Gefangenschaft verfassten Gedichte, „Prison Poems“, wurden 2016 von Helmuth A. Niederle ins Deutsche übersetzt.

Mahvash Sābet: Keine Grenzen. Gedichte aus dem Gefängnis. Band 54. Löcker Verlag, Wien 2016.   zu bestellen: lverlag@loecker.at

Iran Press Watch

Writers-in-Prison über Mahsvash Sabet, 2016