Die andere Seite der Globalisierung

Nun ist sie endlich in den Köpfen von uns allen angelangt: die andere Seite der Globalisierung. Die Pandemie des Covid-19 beherrscht uns. Täglich werden zwischen Albtraum und Vision eines Neubeginns Szenarien geistig durchgespielt, weltweit und in allen Generationen. Mancher mag meinen, das literarische Wort, in welchem Sprachgenauigkeit die Erkenntnis durch Verstand und Gemüt gleichermaßen fördert, verstumme vor der Inflation national-politischer Krisenmanagementparolen, notwendiger, doch oft widersprüchlicher wissenschaftlicher Statements, belangloser Straßeninterviews und medialen Nabelschau-Raunens …

Doch dieser Eindruck ist falsch, darf nie anderes als falsch sein. Der Österreichische PEN veröffentlicht hier zwei Texte, die weit mehr als zufällige Samples sind. Sie spannen nicht nur die Schere zwischen den beiden Szenario-Polen, sondern auch zwischen West- und Ostösterreich und vor allem zwischen denen, die schon viel erlebt und gestaltet haben, und jenen, die noch viel erleben und gestalten wollen und müssen. Hugo J. Bonatti, 1933 in Innsbruck geboren, hat seinen Wohnsitz in Kitzbühel; Eleonora Bögl, Jahrgang 1994, lebt in Wien. H.J. Bonattis Text beeindruckt durch vieles, zu allererst durch seine visionäre Kraft: Er wurde vor zehn Jahren verfasst! E. Bögl schrieb dieser Tage ein Manifest, das nach unmittelbarer Umsetzung ruft, weil es Verantwortung leidenschaftlich-präzise bemisst und neu verteilt.

Reinhart Hosch

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NEUERSCHEINUNGEN


NEUERSCHEINUNGEN in der edition pen (Löcker Verlag)

Neuerscheinungen: Tsippy Levin Byron, Marián Hatala, Anton Marku, Barbara Simoniti

Unsere Veranstaltungen zu WELTLITERATUREN – LITERATUREN DER WELT im März mussten leider entfallen. Die Bücher von Tsippy Levin Byron, Ananya S Guha, Marián Hatala, Anton Marku, Barbara Simoniti, die in der edition pen erschienen sind, sind erhältlich! www.loecker-verlag.at

Die Veranstaltung WELTLITERATUREN – LITERATUREN DER WELT wird voraussichtlich Anfang November nachgeholt.

Kein Krieg und keine Polizeigewalt gegen Flüchtlinge

Aufruf: Kein Wegsehen, kein Verschweigen
Kein Krieg und keine Polizeigewalt gegen Flüchtlinge

Die Menschen an der türkisch-griechischen Grenze sind Kriegsflüchtlinge, egal, ob sie der türkische Staatspräsident an die Grenze bringen hat lassen oder ob sie von selbst dorthin geflohen sind. Die Menschen im türkisch-griechischen Grenzgebiet und auf den griechischen Inseln brauchen niemanden, der sie ihrem Elend überlässt oder sie wieder in den Krieg
zurückschicken will, sie brauchen Unterstützung und Hilfe. Sie sind, so lange es ihnen möglich war, im eigenen Land vor dem Krieg geflohen und haben, als es ihnen nicht mehr möglich war, nun nur noch eine letzte Zufluchtshoffnung, weg vom Krieg, außer Landes zu kommen. Sie wollen ihr Leben retten und das ihrer Familien. Die Türkei will sie nicht haben, die EU genauso nicht. Sie werden sich aber nicht in Luft auflösen.

Wir können uns nicht hinter den barbarischen Handlungen anderer verstecken, wir sind verpflichtet, den von unseren Ländern unterzeichneten internationalen Konventionen nachzukommen. Das Beschießen von Kindern mit Tränengas, die geforderte „echte Grenzverteidigung“ mit Waffeneinsatz durch den zum Glück nicht mehr amtierenden österreichischen Ex-Innenminister, das Verprügeln von NGO-Vertretern
durch Rechtsextremisten sind das genaue Gegenteil davon.

Auch Österreich kann sich nicht hinter seinen schon bisher erbrachten Leistungen für Flüchtlinge verstecken, sondern ist ganz im Gegenteil gefordert, Überzeugungsarbeit und einen eigenen Beitrag zur Bewältigung der Situation zu leisten. Gerade uns müsste die Geschichte gelehrt haben, wie es ist, flüchten zu müssen und nirgends Aufnahme zu finden.
Diese Geschichte darf sich nie mehr wiederholen. Die Situation für zahlreiche bereits früher Geflüchtete allein ist schon schlimm genug. Weiter kommen sie nicht mehr und zurück können sie auch nicht.

Es ist Zeit, sämtliche Bedenken beiseite zu rücken und rasch und entschlossen zu helfen und Hilfe zuzulassen, wer immer diese Hilfe anbieten kann. Es ist Zeit, die Hilfsorganisationen an Ort und Stelle bei ihrer Arbeit zu unterstützen und sie nicht einem prügelnden Mob auszusetzen. Es ist Zeit, sich um die Menschen zu kümmern und nicht um die Wählerstimmenmaximierung. Es ist Zeit, Hilfe zu versprechen, statt Drohungen auszusprechen. Es ist Zeit, statt die Stimmung immer weiter anzuheizen und aufzustacheln, zur Deeskalation und Beruhigung der Situation beizutragen. Es ist Zeit, rechter Hardliner-Politik klare demokratische, den Menschenrechten verpflichtete Absagen zu
erteilen. Es ist Zeit, jegliche militärische und polizeiliche Gewalt gegen Flüchtlinge umgehend einzustellen und zu ächten. Es ist Zeit, zu helfen statt sich wegzudrehen und von all dem nichts wissen zu wollen.

Unterstützt von:
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Gegen ein “Schreibverbot bei sensiblen Themen” in Ungarn

Brief des Österreichischen PEN-Club und des Landeszentrum PEN Burgenland

Sehr geehrter Herr Dr. Karas,

mit Entsetzen lese ich, dass der Staat Ungarn ein “Schreibverbot bei sensiblen Themen” verhängt, die entsprechenden Medienberichte sind Ihnen sicher bekannt. Laut ORF werde “im Fall der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg (…) Journalisten laut einer E-Mail mitgeteilt, dass sie eine Genehmigung benötigen, bevor sie überhaupt mit dem Schreiben beginnen”, was nur eines von vielen anscheinend “heiklen” Themen ist.

Ich schreibe Ihnen auch im Namen der fünfundzwanzig Mitglieder des burgenländischen PEN-Clubs. Wir sind eine Untergruppe des österreichischen und damit des internationalen PEN-Clubs, einer Organisation von Schriftstellerinnen und Schriftstellern, die nach dem 1. Weltkrieg gegründet wurde mit dem Ziel der Völkerverständigung und der Verteidigung des freien Wortes. Wir können nicht glauben, dass mitten in Europa die Räder wieder in eine Zeit zurückgedreht werden, die wir wahrlich nicht wieder erleben wollen. Besonders hart trifft uns, dass diese Regeln in Kraft treten in einem Land, das einen Steinwurf von unseren Wohnorten liegt, ein Land, in dem wir Verwandte, FreundInnen und (schreibende) KollegInnen haben, mit denen wir bereits PEN-Projekte durchgeführt haben und um deren Freiheit, sich zu äußern, wir uns sehr sorgen.

Was gedenkt die EU und was gedenken namentlich die Bündnisparteien der EVP zu unternehmen? Wir dürfen wohl annehmen, dass Österreich den ungarischen Weg in dieser Sache ablehnt, und möchten Sie dringend bitten, dieser Linie auch im EU-Parlament deutlich Ausdruck zu verleihen.

Mit besten Grüßen
Katharina Tiwald