Dringender Appell – update

Amena Karimyan ist endlich in Sicherheit! Vier Monate musste die afghanische Forscherin und Frauenrechtsaktivistin in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad um ihre Sicherheit bangen. Österreich verweigerte ihr trotz vorheriger Visumzusage die Einreise. Jetzt hat Deutschland sie aufgenommen! Durch öffentliche Appelle und Medienberichte ist schließlich das deutsche Außenministerium auf den Fall aufmerksam geworden und hat der 25-jährigen Astronomin ein Visum ausgestellt und sie dann sofort nach Deutschland geflogen.

SOS Mitmensch ruft die Bundesregierung zu einer Rückbesinnung auf humanitäre Werte auf! Bitte unterzeichnen Sie jetzt HIER die Initiative für eine Wiederbelebung der humanitären Aufnahmeprogramme für besonders gefährdete und schutzbedürftige Menschen!

Die Tradition des PEN-Clubs, sich für verfolgte und inhaftierte Autor:innen einzusetzen, diesen einen temporären oder auch ständigen Aufenthalt in Österreich zu ermöglichen, wird seit Jahren durch eine Politik der rigorosen Abweisung Schutzsuchender erschwert und in vielen Fällen verunmöglicht. Diese menschenrechtswidrige Praxis betrifft aus der Haft entlassene Autor:innen, die dringend ausreisen müssen, ebenso wie Journalist:innen, die Repressalien ausgesetzt sind. Die Republik Österreich verweigert diesen Menschen das lebensrettende Exil. Bitte unterzeichnen Sie die Petition von SOS Mitmensch, humanitäre Aufnahmeprogramme wieder aufzunehmen – und den menschenrechtlichen Verpflichtungen Österreichs nachzukommen.

Zum 100. Geburtstag von Günther Nenning

Er war Journalist und bunter Vogel, Schriftsteller und Auhirsch, religiöser Sozialist, glaubte zeitweise an die Existenz von Engeln und hielt „Maria für den Gipfel des Feminismus“. Empörung, Widerstand und Diskussion waren das Lebenselixier des „Wurschtels“ (Bruno Kreisky). So manch verfahrene Auseinandersetzung brachte er durch seine Wortmeldungen auf den „gemeinsamen Nenning“. Günther Nenning hätte am 23. Dezember 2021 seinen 100. Geburtstag gefeiert. Er änderte sich nie, indem er sich pausenlos änderte, war Sozialdemokrat und bot als Herausgeber des Neuen Forum jenen Stimmen Raum, die sich um eine antifaschistische Geschichtsaufarbeitung bemühten und die am Dialog Christentum-Marxismus interessiert waren. Nenning nahm auch Teil an der beginnenden sexuellen Revolution und dem Anti-Vietnam- und Anti-Kriegs-Aktivismus.

Nenning war ein ungezügelter Vulkan, der durch Ideen auffiel, die den Punkt trafen, an dem der Schmerz verursacht durch die gesellschaftliche Enge entsteht. So manches, was er sagte, forderte den Widerspruch geradezu heraus. Das zu thematisieren, wäre eines Symposions würdig, das zu einer Gewissenserforschung über die Befindlichkeit unserer Alpenrepublik führen könnte. Den Grünen wäre es gut angestanden, ein solches zeitgerecht und medienwirksam zu organisieren, ist Nenning doch einer ihrer geistigen Gründungsväter (Hainburg!).

In der edition pen erschien das Buch „Günther Nenning. Journalist, Schriftsteller, politischer Querdenker und religiöser Sozialist“ herausgegeben von Helmut Reinalter.  Die Beitragenden, Gerhard Oberschlick und Roland Girtler, würdigten Nenning kritisch. Sicherlich in seinem Geist, der die Gegenrede liebte, indem er sie stets herausforderte.

Helmuth A. Niederle, 23. XII. 2021

 Günther Nenning: Journalist, Schriftsteller, politischer Querdenker und religiöser Sozialist. Hg. Helmut Reinalter. edition pen im Löcker Verlag. ISBN 978-3-85409-980-2  Zu beziehen über den Buchhandel, den Löcker Verlag oder den Österreichischen PEN-Club: info@penclub.at

Nicht zum Schweigen verurteilt

Dieser Tage ist Aung San Suu Kyi zu einer vierjährigen Haftstrafe, vermindert zu zwei Jahren Hausarrest, verurteilt worden. Die von der Junta kontrollierte Justiz Myanmars wirft der Friedensnobelpreisträgerin vor, zu Gewalt gegen das Militär aufgerufen und gegen Corona-Auflagen verstoßen zu haben. Weitere Prozesse gegen die 76-jährige ehemalige Regierungschefin sind in Vorbereitung. Die einstige Kämpferin für die Freiheit, Ikone der Demokratiebewegung in Myanmar, war in den letzten Jahren aufgrund ihrer Haltung zu dem Genozid an den Rohingya massiv kritisiert worden. Der Militärputsch im Februar 2021 hat ihre politische Laufbahn vorläufig beendet, seitdem versinkt das Land in Gewalt. Die Hoffnungsträgerin des Landes ist verstummt.

Doch die Stimmen Myanmars sind hörbar. Nun liegt eine Anthologie burmesischer Gedichte in der edition pen vor, die unmittelbar nach dem Militärputsch 2021 verfasst wurden. Sie berichten über die unvorstellbare Brutalität der Militärjunta und das tägliche Morden. Die poetischen Reportagen sind eine berührende Zeitzeugenschaft, die Gedichte schildern die omnipräsente Angst, die Ausweglosigkeit in einem Gewaltsystem und die Hoffnung auf Veränderung. Einige der Lyriker:innen sind nicht mehr am Leben, andere sind verschwunden oder inhaftiert. Das Blut bricht an jeder Ecke aus, schrieb K Za Win, der im März bei Straßenprotesten getötet wurde.

Brian Haman, Ko Ko Thett (Hg.): Die Armee schießt nicht in die Luft. Übersetzt von Helmuth A. Niederle, edition pen, Löcker Verlag, Wien 2021

Writers-in-Prison-Day 15.11.2021, Alte Schmiede

Buchpräsentation, Gespräch und Lesung

Helmuth A. Niederle im Gespräch mit Brian Haman (Literaturwissenschaftler und Anglist), Thett Su San (Lyrikerin) und Ko Ko Thett (Lyriker, Übersetzer und Herausgeber)

Lesung: Helmuth A. Niederle, Henriette Schroeder, Marion Wisinger und Günther Zäuner



 

Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt an Frauen

ORANGE THE WORLD
Vor 40 Jahren wurde der UN-Gedenktag in Erinnerung an die in der Dominikanischen Republik ermordeten Schwestern Mirabal (Las Mariposas) zum ersten Mal ausgerufen. Bis heute kämpfen Frauen weltweit gegen Gewalt und Diskriminierung, in den Sozialen Medien und in der Öffentlichkeit nehmen Hass und Antifeminismus zu. Während der Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ findet gemeinsam mit der MedUni Wien, der Volksanwaltschaft und dem AÖF – Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser die interdisziplinäre Ringvorlesung Eine von Fünf statt: Live-Stream zur Auftaktveranstaltung “(K)Ein Täter: Wie durchbricht man den Kreislauf der Gewalt?”

Absage der Veranstaltungen

Leider müssen auch wir unsere Veranstaltungen absagen:
LESUNG, TALK UND PERFORMANCE: 25.11.2021, 19 Uhr
Orange the World. Ein Abend gegen Gewalt an Frauen
Mit Rosa Logar (Leiterin der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie) und Cornelius Granig (Buchautor, Taskforce Leader Transparency International) Lesung: Michou Friesz. Performance: Sakina Teyna, Mahan Mirarab, Alexia Chrysomalli, Tini Kainrath und Marie-Theres Stickler.
LESUNG: LITERATUR UNTER DEN BÖGEN 2.12.2021, 19 Uhr
Endlos. Texte über das Meer
AutorInnen des Jungen PEN lesen Lyrik. Die slowenische Schriftstellerin Barbara Simoniti ist zu Gast. Buchpräsentation: Der Zaunprinz, Roman von Ewald Baringer. Writers in Prison: Über den inhaftierten kurdischen Lyriker Ilhan Çomak
WIENSTATION, Lerchenfeldergürtelbogen 28, 1080 Wien
Wir werden die Veranstaltungen 2022 nachholen!