Neupublikation: “Schätzchen” von Alecia McKenzie

Wir freuen uns sehr, das in der edition pen neu erschienene Werk “Schätzchen” von Alecia McKenzie vorzustellen. Es handelt sich hierbei um die deutsche Übersetzung des 2011 veröffentlichten Romans der jamaikanischen Schriftstellerin und Journalistin. “Schätzchen” ergründet die Abgründe zwischen Leben und Tod, Wahrheit und Lüge, das Oszillieren zwischen Traum und Wirklichkeit und beschreibt in einer faszinierenden Polyphonie der Stimmen die Subjektivität von Realität.

Der nicht lineare, höchst eloquente Roman beginnt mit dem überraschenden Tod der Protagonistin, der jungen Künstlerin Dulcinea Evers. Während ihr Tod einer Krebserkrankung zugeschrieben wird, kreieren zahlreiche Stimmen aus ihrem Freundes- und Familienkreis eine komplexe und verworrene Geschichte, die die Erzählungen ihrer engen Freundin Cheryl graduell dekonstruieren. Mit der kontinuierlichen Entfaltung der Erzählungen von Dulcineas  enttäuschtem Vater, ihrer wütenden Mutter, ihrem ungeliebten Ehemann, und ihrer Tante, der Seherin Mavis, tritt ein neues Bild von Dulcinea zutage, das ihr Leben in immer wiederkehrenden Zyklen reflektiert, beschreibt, (de)konstruiert und  versucht zu verstehen.

Dringend // Vietnam: Wir fordern die Freilassung von Pham Doan Trang!

Vietnam: Die gegen die Journalistin und Autorin Pham Doan Trang erhobenen Anklagen müssen umgehend fallen gelassen werden!

Der Österreichische PEN schließt sich der Forderung von PEN International nach der sofortigen und bedingungslosen Freilassung der renommierten Autorin, Journalistin und Aktivistin Pham Doan Trang sowie der sofortigen Aufhebung aller gegen sie erhobenen Anklagen an. Pham Doan Trang wurde am 6. Oktober 2020 von der vietnamesischen Polizei in Ho-Chi-Minh-Stadt unter dem Vorwand „staatsfeindlicher Aktivitäten“ verhaftet und sieht sich mit einer Höchststrafe von 20 Jahren Gefängnis konfrontiert.

Am 6. Oktober 2020 wurde Pham Doan Trangs Wohnung in Ho-Chi-Minh-Stadt im Zuge einer gemeinsamen Operation der Polizei von Hanoi und Beamten des „Ministeriums für Öffentliche Sicherheit“ durchsucht. Während dieser Razzia wurde die Journalistin, die bereits im Rahmen der jährlichen Verleihung der Pressefreiheitspreise mit dem Preis „Reporter ohne Grenzen“ für ihren Einfluss ausgezeichnet wurde, verhaftet. Umgehend wurde jeglicher Kontakt mit ihrer Familie oder ihrem Rechtsbeistand unterbunden. Ihre Verhaftung wurde nur wenige Stunden nach Abschluss des Menschenrechtsdialogs des Jahres 2020 zwischen den USA und Vietnam durchgeführt.

Trang hatte versucht, ihre Online-Präsenz durch ihren Blog und soziale Medien zu nutzen, um die staatliche Zensur traditioneller Medien zu überwinden und das Bewusstsein für Menschenrechtsfragen in Vietnam zu schärfen. Kürzlich nutzte sie ihre Online-Plattform, um auf einen von ihr mitverfassten Bericht hinzuweisen, der mehr Transparenz über die Umstände eines Landstreits im Dorf Dong Tam schaffen sollte, der zum Tod von drei Polizisten und zum Prozess gegen 29 lokale Dorfbewohner geführt hatte.

Pham Doan Trang wurde nach Art. 177 des vietnamesischen Strafgesetzbuches angeklagt, welcher das Verbot der Herstellung, Speicherung und Verbreitung von „Informationen, Materialien und Gegenständen zum Zweck der Bekämpfung des Staates der Sozialistischen
Republik Vietnams“ vorsieht. Die Verhaftung der renommierten Autorin fällt mit einer intensiven Razzia gegen Blogger_innen und Aktivist_innen im Vorfeld des bevorstehenden Nationalkongresses der „Kommunistischen Partei Vietnams“ zusammen, der im Januar 2021 stattfinden soll. Pham Doan Trang verfasste im Mai 2020 bereits einen Brief, der in Umlauf
gebracht werden sollte, würde sie verhaftet werden ( https://twitter.com/will_nguyen_/status/1313653008409006080 ).

Der Österreichische PEN fordert die umgehende Freilassung von Pham Doan Trang aus der Gefangenschaft durch die vietnamesischen Behörden, alle nach dem vietnamesischen Strafgesetzbuch gegen sie erhobenen Anklagen fallen zu lassen sowie der bedeutenden Aktivistin sofortigen und ungehinderten Zugang zu ihrer Familie und ihrem Rechtsbeistand zu gewähren. Der Österreichische PEN verlangt, dass das harte und willkürliche Vorgehen gegen Blogger_innen, Schriftsteller_innen und Aktivist_innen unverzüglich beendet wird sowie Meinungs- und Pressefreiheit in Vietnam unbedingt eingehalten werden.

Nobelpreis für Literatur 2020

Mit dem Nobelpreis für Literatur des Jahres 2020 wurde die 1943 in New York geborene Autorin Louise Glück ausgezeichnet. Die bedeutende Lyrikerin veröffentlichte seit 1968 vierzehn Gedichtbände und zwei Sammlungen an Essays. Ihre bekanntesten Werke umfassen “Faithful and Virtuous Night” (2014) sowie “Averno” (2006) und “The Wild Iris” (1992), für welches sie den Pulitzer Prize erhielt. Im Herbst 2003 wurde sie zur zwölften “Poet Laureate” der Vereinigten Staaten von Amerika ernannt. Die Jury für den Nobelpreis für Literatur zeichnet Louise Glück für ihre “unverkennbare poetische Stimme aus”, durch welche sie “mit strenger Schönheit die individuelle Existenz universell” beschreibt. Louise Glück befasst sich in ihren lyrischen Werken mit Konzepten der Sein-Konstruktion, des Scheiterns sowie Aspekten des Traumas, des Heilens und der persönlichen Wiedergeburt.

Nichtsdestotrotz ist die Rezeption von Louise Glück im deutschsprachigen Raum eine mangelnde: Nur zwei Werke liegen in deutscher Übersetzung vor (Ukrike Draesner, 2007 und 2008). Zurzeit ist kein Buch von ihr in deutscher Übertragung lieferbar; sie sind seit langem vergriffen.

Die Auszeichnung einer Lyrikerin macht ein Dilemma sichtbar: Literatur, die nicht dem Mainstream zuzuzählen ist, wird kaum verlegt und wenn Veröffentlichungen kommerziell nicht erfolgreich sind, verschwinden sie. Wenn dies auf einen “Poet Laureate” zutrifft, braucht es keine Phantasie, sich vorzustellen, wie gewaltig hoch die Barrieren sind, vor denen Literaturen stehen, die in kleineren Sprachen geschrieben werden. Die Auszeichnung von Louise Glück ist auch als Symbol der Kontaktlosigkeit zu sehen.

RAPID ACTION NETWORK // HONDURAS // CESARIO ALEJANDRO FÉLIX PADILLA FIGUEROA

Honduras: Die Verurteilung von Cesario Alejandro Félix Padilla Figueroa muss aufgehoben werden!

Der Österreichische PEN Club fordert die honduranischen Behörden, gemeinsam mit dem PEN International und weiteren PEN-Zentren, auf, das Urteil gegen den Journalisten Cesario Alejandro Félix Padilla Figueroa unverzüglich für nichtig zu erklären. Gegen das Vorstandsmitglied des PEN Honduras ist ein Prozess aufgrund seiner Ausübung des Rechts auf freie Meinungsäußerung initiiert worden, welcher in einer Verurteilung zu drei Jahren Gefängnis verschärft durch Zwangsarbeit, die Aussetzung seiner Bürgerrechte sowie die Zahlung von „Schadenersatz“ mündete.

Cesario Alejandro Félix Padilla Figueroa, Journalist, Vorstands- und Gründungsmitglied des PEN Honduras sowie Mitorganisator der Studentenproteste an der Nationalen Autonomen Universität von Honduras (Universidad Nacional Autónoma de Honduras – UNAH) wurde am 7. Juni 2017 wegen „Usurpación“ („Usurpation“) verurteilt. Dieses Urteil wurde von einem Richter erlassen und in einer Tonaufnahme festgehalten, jedoch für drei Jahre weder transkribiert noch in einem offiziellen Dokument an Cesario Padilla übergeben. Dies machte es Cesario Padilla und seinen UnterstützerInnen unmöglich, entsprechend zu reagieren wie Berufungen einzureichen oder einen neuen Prozess anzustreben.

„Das Unterdrücken der Aufzeichnungen des Urteils, um Padilla daran zu hindern, sich selbst zu verteidigen, und das über einen so langen Zeitraum, zeigt, wie die honduranischen Behörden gegen Gerechtigkeit und Demokratie handeln und die Freiheit unseres Kollegen Cesario Padilla einschränken“, erklärte Carles Torner, Exekutivdirektor von PEN International.

Seit mehreren Jahren beobachtet PEN International, wie Padilla Figueroa und andere Universitätsstudenten und Universitätsstudentinnen verfolgt werden, weil sie ihr Recht auf Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit ausgeübt haben, das in der Verfassung der Nation (Artikel 72–75 und 79) sowie in der Amerikanischen Menschenrechtskonvention (Artikel 13 und 15) und im „Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte“ (Artikel 19 und 21), dem Honduras beigetreten ist, verankert ist.

Die Verurteilung stellt den Höhepunkt eines sich wiederholenden Musters von Schikanen dar, dem sich Cesario Padilla seit 2014 aufgrund seiner Beteiligung an den Studentenprotesten an der UNAH ausgesetzt sieht. Die Proteste der Studierenden richteten sich insbesondere gegen Pläne zur Privatisierung der Universität und forderten eine Demokratisierung ihrer Leitungsgremien.

Der Österreichische PEN fordert die unverzügliche Aufhebung der Verurteilung des PEN Honduras-Mitglieds Cesario Alejandro Félix Padilla Figueroa, von dem PEN International und der Österreichische PEN glauben, dass er für die Ausübung seines Rechts auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit durch friedliche Teilnahme an und Beobachtung von Studentenprotesten strafrechtlich verfolgt wird. Wir fordern des Weiteren die sofortige Einstellung der unrechtmäßigen Überwachung von Herrn Padilla Figueroa sowie die Entkriminalisierung von gewaltfreien Protesten Studierender und die Ermöglichung der Teilnahme von Studierenden an den Entscheidungsgremien der UNAH. Es muss eine Gewährleistung erfolgen, dass Konflikte innerhalb der Institution durch einen alle Parteien einschließenden friedlichen Dialog gelöst werden können.

Dringende Meldung // Iran // Nasrin Sotoudeh

Iran: Forderung nach sofortiger Freilassung von Nasrin Sotoudeh, Menschenrechtsanwältin und -aktivistin, die während ihres Hungerstreiks schwer erkrankte.

Der Österreichische PEN zeigt sich, gemeinsam mit dem PEN International und zahlreichen weiteren PEN Zentren, zutiefst besorgt über den Gesundheitszustand der renommierten iranischen Schriftstellerin, Anwältin und Menschenrechtsaktivistin Nasrin Sotoudeh. Sie trat aus Protest gegen die grauenhaften Haftbedingungen, denen die aus politischen Gründen Inhaftierte in der COVID-19-Pandemie ausgesetzt sind, in den Hungerstreik.

Nasrin Sotoudeh, die, als Folge für ihre Arbeit als Rechtsvertreterin für Menschenrechtsopfer, selbst zu Unrecht zu bis zu 38 Jahren im Evin-Gefängnis verurteilt wurde, befindet sich seit dem 11. August im Hungerstreik. Sie protestiert auf diese Weise gegen die menschenunwürdige Behandlung von politischen Gefangenen in den Haftanstalten im ganzen Land. Mehrere andere Häftlinge, darunter Rezvaneh Ahmad Khanbeigi, haben sich Nasrin im Hungerstreik angeschlossen.

Dies ist bereits der zweite Hungerstreik, den Nasrin Sotoudeh in diesem Jahr zur Erreichung der Freilassung politischer Gefangener während der COVID-19-Pandemie unternommen hat.

In Folge hat sich der Gesundheitszustand Nasrin Sotoudehs stark verschlechtert: Ihr Ehemann Reza Khandan berichtete, dass sie am 19. September aufgrund von Herzproblemen und anderen gesundheitlichen Schwierigkeiten in die Herzabteilung des Krankenhauses Talefani überführt wurde. Am 24. September meldete Reza Khandan, dass Nasrin aus dem Krankenhaus geholt und ohne notwendige medizinische Versorgung ins Gefängnis verfrachtet wurde, was die Menschenrechtsanwältin in akute Lebensgefahr bringt.

Der Österreichische PEN schließt sich vielen PEN Zentren, darunter dem PEN International, in ihrer Forderung nach der sofortigen und bedingungslosen Freilassung von Nasrin Sotoudeh an und fordert, dass sie ohne weiteren Verzug die lebenswichtige medizinische Versorgung erhält.

Jegliche Schikanen und Verfolgungen gegen Nasrin Sotoudeh und ihre Familie sind sofort einzustellen und die gegen sie erhobenen Anklagen müssen fallengelassen werden, sodass die Justiz als Instrument der Unterdrückung und Bestrafung gegen diejenigen, die das Leben der iranischen Bürger und Bürgerinnen verbessern wollen, ein Ende hat.