STATEMENT

[…] am Minoritenplatz [haben] vor dem Innen- so wie dem Außenministerium einige Iraner-innen wegen der im Namen Gottes vollzogenen Hinrichtung eines 23jährigen Iraners, der für Freiheit und Menschenrechte eingetreten ist, protestiert. Ich hoffe, und appelliere, daß die österreichische Politik dies nicht nur achselzuckend zur Kenntnis nimmt, sondern entsprechend – auch diplomatisch! – Haltung bezieht. Mein Gedicht “Hinrichtung in Teheran” wurde zwar wie von “Geisterhand” auf meinem FB-Account gelöscht, ich stelle es aber noch einmal auf Deutsch und Persisch (Farsi) ins Netz. Solchen Personen und Regimen soll mit klarer Ablehnung begegnet werden! Was wir brauchen und haben wollen, ist zivilisiertes Weltbürgertum!

Peter Paul Wiplinger
Wien, 16.12.2022

HINRICHTUNG
in Teheran

nein
da wird nicht jemand
im morgengrauen
von einer gruppe
von ausgesuchten
spezial-exekutoren
in einem hinterhof
eines gefängnisses
zack-zack erschossen

nein
da fährt ein kran auf
mitten auf einem platz
möglichst zentral mitten
in der hauptstadt teheran
und da oben am baukran
wird gleich ein delinquent
oder noch viel dramatischer
eine schwarz verhüllte frau
zappelnd hängen solange
bis der tod eingetreten ist

und tausende schaulustige
vom mullah-mörderregime
dorthin abkommandiert
werden dieses schauspiel
die öffentliche exekution
ergriffen mitansehen müssen
zur abschreckung wie gesagt
damit alle begreifen wer hier
der herr über leben und tod ist

und dann
wird am freitag gekniet
für die sünder gebetet
darum daß gott sie bestraft
und man tut dabei auch selber
was man dazu beitragen kann

nein nein und nochmals nein
dann lieber eine welt ohne gott
dann jedenfalls lieber eine welt
ohne paradiesische belohnung
dafür mehr achtung des lebens
einfach von mensch zu mensch
ohne dieses gottesstaatsgetue
doch mit respekt vor dem leben
in dieser widersprüchlichen welt

 

DAS GRAUENHAFTE BEDENKEN!

Peter Paul Wiplinger
Gedanken zum Holocaust-Gedenktag am 27. Jänner 2023

Wie kann man ein solches Gedenken gestalten, wie kann man das machen: der Millionen Toten, der Ermordeten, jedes menschlichen, nein: jedes un-menschlichen Einzelschicksals gedenken, ohne daß dieses Wie-auch-immer-Gedenken ins Plattitüdenhafte abgleitet oder abstürzt? Wie und vor allem warum sollte es ein solches Gedenken geben, wie lange noch, von wem für wen auch immer; und welchen Sinn sollte ein solches Holocaust-Gedenken haben? Und schließlich: Ist ein solches Gedenken, ein Bedenken des Grauenhaften und des Zusammenbruchs jeder menschlichen Zivilisation, verbunden mit unermeßlichem Leid und der Aufgabe letzter menschlicher Würde und Humanität überhaupt möglich? Es steht die Frage vor uns: Kann man ein Denken, ein Bedenken, ein Gedenken in diesem Zusammenhang überhaupt leisten, eines, das den Tätern wie den Opfern, das der Maßstablosigkeit solcher Ereignisse wenn schon nicht gerecht werden so doch zumindest ansatzweise entsprechen kann? Fragen über Fragen, die einen beim Bedenken sogleich in einen Gedankenwirbel hineinziehen, der uns mitreißt; und an dessen Ende möglicherweise die Resignation steht.

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